Fast jeder ahnt, dass die gesetzliche Rente allein nicht reichen wird. Doch wie groß ist die Lücke konkret? Ohne eine Zahl bleibt Altersvorsorge ein diffuses Gefühl. Mit den folgenden fünf Schritten kommen Sie zu einer realistischen Schätzung, auf der Sie Entscheidungen aufbauen können.

Vorab ein wichtiger Hinweis: Eine Rentenlückenrechnung ist immer eine Schätzung über viele Jahre. Sie arbeitet mit Annahmen zu Inflation, Einkommen und Lebensdauer. Ziel ist keine Zahl auf den Euro genau, sondern ein belastbarer Rahmen, der Ihnen zeigt, ob Sie auf Kurs sind.

Schritt 1: Ihren Bedarf im Ruhestand ermitteln

Am Anfang steht die Frage, wie viel Geld Sie im Ruhestand monatlich zur Verfügung haben möchten, in heutigen Preisen. Eine verbreitete Faustregel sind siebzig bis achtzig Prozent des heutigen Nettoeinkommens. Genauer wird es, wenn Sie Ihre Ausgaben durchgehen: Was fällt weg, etwa Fahrtkosten zur Arbeit, Sparraten oder ein abbezahlter Kredit? Was kommt hinzu, etwa Reisen, Hobbys, Gesundheitskosten oder Unterstützung für Kinder und Enkel?

Wohnen ist der größte Posten

Ob Sie im Ruhestand Miete zahlen oder in einer schuldenfreien Immobilie leben, verändert den Bedarf erheblich. Denken Sie bei Eigentum aber an Instandhaltung, die im Alter oft ansteigt.

Schritt 2: Die Renteninformation richtig lesen

Ab dem 27. Lebensjahr erhalten Sie in der Regel jährlich eine Renteninformation der Deutschen Rentenversicherung. Darin finden Sie mehrere Werte, die oft verwechselt werden.

Bisher erreichte Rente
Was Sie bekämen, wenn ab heute keine Beiträge mehr gezahlt würden.
Hochgerechnete Rente
Was Sie erwarten können, wenn Sie bis zur Regelaltersgrenze wie im Durchschnitt der letzten fünf Jahre weiter einzahlen.
Rentenanpassungen
Beispielrechnungen mit angenommenen Steigerungen. Sie sind unverbindlich und sagen nichts über die Kaufkraft aus.

Für die Planung verwenden Sie die hochgerechnete Rente ohne Anpassungen. Sie ist in heutigen Werten ausgedrückt und lässt sich direkt mit Ihrem Bedarf in heutigen Preisen vergleichen. Planen Sie Teilzeit, eine Pause oder Selbstständigkeit, fällt der Wert entsprechend niedriger aus.

Schritt 3: Vom Brutto zum Netto

Die Renteninformation zeigt Bruttowerte. Davon gehen ab: Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung, sofern Sie gesetzlich versichert bleiben, und Einkommensteuer, denn Renten werden zu einem großen Teil nachgelagert besteuert. Für Menschen, die in den kommenden Jahrzehnten in Rente gehen, wird der steuerpflichtige Anteil weiter steigen. Stand: aktuelle Rechtslage – im Einzelfall prüfen.

Von der Bruttorente zum verfügbaren Einkommen (vereinfachte Struktur)
PositionWirkung
Hochgerechnete gesetzliche RenteAusgangswert
Kranken- und PflegeversicherungMindert die Rente um einen spürbaren Anteil
EinkommensteuerAbhängig vom Rentenbeginn und weiteren Einkünften
Weitere Renten, etwa BetriebsrenteErhöhen das Einkommen, sind aber ebenfalls netto zu rechnen

Schritt 4: Weitere Einkünfte addieren

Sammeln Sie die Standmitteilungen aller Vorsorgeverträge: betriebliche Altersvorsorge, private Renten, Basisrente, eventuell eine Zusatzversorgung im öffentlichen Dienst. Auch Mieteinnahmen gehören dazu. Achten Sie darauf, nur garantierte oder vorsichtig geschätzte Werte zu verwenden, und rechnen Sie auch diese Renten netto.

  • Betriebsrente: voll steuerpflichtig, für gesetzlich Krankenversicherte meist beitragspflichtig
  • Private Rente aus versteuertem Einkommen: nur mit dem Ertragsanteil steuerpflichtig
  • Basisrente: nachgelagert besteuert wie die gesetzliche Rente
  • Vermögen ohne Rentenfunktion: nur mit einer vorsichtigen Entnahmeplanung einrechnen

Schritt 5: Lücke ermitteln und in Sparbedarf übersetzen

Ziehen Sie alle Nettoeinkünfte von Ihrem Bedarf ab. Das Ergebnis ist Ihre monatliche Rentenlücke in heutigen Preisen. Um daraus einen Sparbedarf abzuleiten, sind zwei weitere Überlegungen nötig: Wie lange muss die Lücke geschlossen werden, und wie viele Jahre haben Sie bis zum Rentenbeginn?

Ein Beispiel in Worten: Eine Angestellte, Ende dreißig, möchte im Ruhestand in heutigen Preisen ein bestimmtes Nettoeinkommen haben. Ihre gesetzliche Rente deckt nach Abzügen gut die Hälfte davon, eine Betriebsrente einen weiteren kleinen Teil. Es bleibt eine Lücke von einigen hundert Euro im Monat. Rechnet man diese Lücke über eine Rentendauer von mehr als zwanzig Jahren und mit Inflation hoch, ergibt sich ein Kapitalbedarf, der auf den ersten Blick hoch wirkt. Verteilt auf fast dreißig Jahre Sparzeit wird daraus jedoch eine monatliche Sparrate, die sich in das Budget einfügen lässt, vor allem, wenn sie mit dem Einkommen mitwächst.

Inflation

Schon wenige Zehntelprozent mehr oder weniger verändern den Bedarf über Jahrzehnte deutlich.

Lebensdauer

Planen Sie nicht mit dem Durchschnitt, sondern mit einem höheren Alter. Viele Menschen leben länger als gedacht.

Startzeitpunkt

Jedes Jahr früher senkt die notwendige Rate, weil Erträge länger wirken können.

Die Zahl am Ende ist weniger wichtig als die Erkenntnis, an welchen Stellschrauben man drehen kann. Wer seine Lücke kennt, trifft ruhigere Entscheidungen.

Häufige Fehler

Wer Abgaben und Steuern vergisst, unterschätzt die Lücke oft um einen erheblichen Teil.

Hochgerechnete Werte mit Rentenanpassungen wirken beruhigend, werden aber durch die Inflation weitgehend aufgezehrt.

Gehalt, Familie und Pläne ändern sich. Eine Überprüfung alle zwei bis drei Jahre hält die Planung aktuell.

Merksatz Rechnen Sie in heutigen Preisen, in Nettowerten und mit einem eher langen Leben. Dann liegt die Schätzung auf der sicheren Seite.

Sie möchten Ihre persönliche Rentenlücke gemeinsam mit uns berechnen und die passenden Bausteine besprechen? Wir beraten Sie kostenlos und unverbindlich, vor Ort in Langenselbold, telefonisch oder per Video. Senden Sie uns Ihre Anfrage, wir melden uns innerhalb von 24 Stunden.

Über den Autor

Poth & Poth oHG

Versicherungsagentur in Langenselbold

Unser Team in Langenselbold begleitet Menschen beim Vermögensaufbau für den Ruhestand – von der ersten Rentenlückenrechnung bis zur Auszahlung. Wir erklären verständlich und beraten vor Ort, am Telefon oder per Video.

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